mal ernsthaft/Schweiz

Verrechnet.


Tatsächlich: Meine gestrige Wette habe ich sowas von verloren. Da zahle ich meinem Bürogspänli doch sehr gerne einen Kaffee oder auch zwei. Ich zweifle nicht daran, dass Frau Widmer-Schlumpf sich die Sache mit ihrer Amtsannahme gut überlegt hat und dennoch hoffe ich für sie, dass sie diesen Schritt nicht bereuen wird. Nicht, weil ich die Ereignisse der letzten Tage für das Ende der Schweiz halte, sondern weil für die nun geohrfeigten Herren wahrscheinlich nur eins schlimmer ist als die gestrige Nichtwahl an sich: Die Absetzung zu Gunsten einer 15 Jahre jüngeren Frau, und sei sie auch noch so fähig. Das dürfte sie noch mehr zur Zielscheibe machen als Sämi Schmid, der ja nun auch endgültig zur persona non grata avanciert ist. Aber genau genommen war der ja eigentlich auch schon länger informell fraktionslos im Bundesrat und hat sich wohl inzwischen daran gewöhnt.

Auch im Hinblick darauf, dass die SVP nun nicht müde wird zu beteuern, man werde als Oppositionskraft fortan unwahrscheinlich unbequem sein, ändert sich bei genauerem Hinsehen gar nicht so viel. Froh seien sie, endlich wieder nach eigenem Gutdünken politisieren und offen sprechen zu können, so klingt es allenthalben. Ich denke, die Umstellung wird den Parteifreunden nicht allzu schwer fallen, da sie doch nur in sehr geringfügigem Masse notwendig ist.

Trotzdem will das Augenreiben in den Reihen der braven weissen Schafe kein Ende nehmen. Da hat man so lange über abenteuerliche Geheimpläne gegen den eigenen Lieblingsbundesrat herumschwadroniert, dass daraus am Ende quasi eine selbsterfüllende Prophezeiung geworden ist. Das inoffizielle Parteiblatt Weltwoche titelt: «Rache an Blocher». Und natürlich haben sie alle völlig Recht. Sachargumente standen, obwohl durchaus existent, nur sehr eingeschränkt zur Debatte und die unverholene Schadenfreude über den «Denkzettel» an Herrn Blocher und seine Genossen steht den Gewinnern von gestern und heute nicht gerade gut an. Selbstverständlich ist es in höchstem Masse unkollegial und unwürdig, jemanden auf diese Weise aus dem Amt zu drängen. Dennoch wäre übertriebenes Mitgefühl irgendwie fehl am Platz. Letztlich wurde der Partei bloss zum Verhängnis, dass sie ein relativ einfaches Prinzip völlig ausser Acht gelassen hat: Ursache und Wirkung. Im gutschweizerisch harmonie- und konsenssüchtigen Politwesen kann man sich gewiss eine ganze Weile straflos nach Herzenslust wie der Elefant im Porzellanladen aufführen, doch auch dieses Mass ist irgendwann voll. Eine Antwort auf dieses Benehmen war früher oder später unvermeidlich. Dass sie in solch schlechtem Stil gegeben wurde, verwundert in diesem Fall nicht weiter.

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