mal ernsthaft/Schweiz

Ausgeblochert..?


Was erst eigentlich nach einer guten Nachricht aussah (nicht für die SVP-Spitze natürlich), ist am Ende doch irgendwie ein ziemlicher Salat. Ah so ja, falls jemand von Euch die heutigen Bundesratswahlen verpasst hat, wird’s jetzt vielleicht etwas verwirrend. Man kann sich das Drama beim Schweizer Fernsehen nochmals anschauen oder aber hier ein schönes, wenn auch nicht gaaanz objektives (oder?) Live-Blogprotokoll dazu nachlesen. Naja, oder einfach morgen wiederkommen für ein anderes, erbaulicheres Thema (obwohl, wer weiss…).

Jedenfalls: Hättet Ihr das gedacht? Ehrlich jetzt, ich habe mit sowas nicht gerechnet. Noch nach dem ersten, erfolglosen Wahlgang und Christoph Blochers Rückstand war ich mir nahezu sicher, die Damen und Herren aus der konkordanten Mitte würden nach diesem kurzen Aufmucken wieder brav das Rechte (sic!) auf Ihr Wahlzetteli schreiben. Drum war ich dann schon sehr überrascht, als daraufhin die Wahl von Madame verkündet wurde. Und klar, wenn ich jetzt behaupten würde, dass ich’s nicht gut fand, dann müsste ich lügen.

Aber nun lasst uns mal überlegen: Wir hätten da also jetzt einen Haufen beleidigter Parlamentarier, einen zweiten von allzu euphorischen (doch auch leicht verblendeten) ebensolchen und ein letztlich bemitleidenswertes Bauernopfer, das morgen um 8.00 Uhr wohl seinen politischen Untergang besiegeln wird, egal wie die Entscheidung ausfällt. Zu allem Überfluss nerven eigentlich alle Beteiligten gleichermassen: Die Linke in ihrer festen Meinung, unerhört Grosses zur Rettung der Menschheit vollbracht zu haben und gleichzeitig unfähig, mit ihren persönlichen Ressentiments hinterm Berg zu halten (als ob es keine sachlichen Argumente gäbe, also ehrlich jetzt). Die Rechte mit ihrer dümmlichen Kampfrhetorik, die bei mir persönlich sowieso nicht erst seit gestern stets einen akuten Tinnitus verursacht. Der nicht enden wollende Singsang, mit welchem 29% Wähleranteil in abenteuerlicher Mathematik als die Gesamtheit des Volkes errechnet werden verleitet mich ebenso zum leichten Würgen wie der sozialdemokratische paranoide Verteufelungsreflex, wann immer irgendwo das böse B-Wort fällt. Übrigens bin ich mir auch gar nicht so sicher, in welcher Form uns der nun vorerst Abgewählte letzten Endes lieber sein sollte: Als Bundesrat mit einer wenigstens formalen Verpflichtung zur Kollegialität oder als zukünftiger SVP-Parteipräsident und Märtyrer, der sich nur allzu gerne das Tschäppeli des selbstlosen oppositionellen Ritters ohne Furcht und Tadel und/oder Rächer der Armen und Entrechteten (und natürlich der Entmachteten) aufsetzt. Blocher ist und bleibt ein begnadeter Populist und wird uns noch einige Sätze letzter Nerven kosten.

Und was nun? Sollte Eveline Widmer-Schlumpf morgen früh so viel Mut und Tollkühnheit beweisen, ihre Wahl anzunehmen und sich auf diesen Kuhhandel einzulassen, werde ich mit grosser Freude meine daraus entstandenen Wettschulden begleichen. Ich denke, sie würde eine gute und würdige Magistratin abgeben (sofern man sie liesse) und ausserdem könnte dann auch der Moriz Leuenberger endlich mal zurücktreten, wenn er nicht mehr immer so fürchterlich Angst haben muss, dass sich dann der Christoph sein Departement unter den Nagel reisst. Aber eben. Gewettet habe ich nicht darauf.

P.S. Im Rückblick auf das gesammelte heutige Herumgeschwurbel der verschiedenen Exponenten: Verkenne ich die Dramatik der Situation gravierend, wenn ich finde, man könnte doch auch einfach einen grossen Sandkasten im Parlamentssaal errichten, damit die Herr- und Frauschaften dann um ihre Eimer und Schaufeln zanken können, ohne die Öffentlichkeit damit zu belästigen und von der Arbeit abzuhalten?

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