Alltägliches/Aufgelesen/Begegnungen

«Verantwortung übernehmen» gilt oft bloss für die anderen.


Ich habe keinen Hund. Und zwar, weil ich Hunde mag. Sowohl mein aktuelles berufliches Engagement als auch meine räumlichen Verhältnisse würden es nahezu verunmöglichen, das Tier halbwegs artgerecht zu halten. Dennoch habe ich wie bereits erwähnt nichts gegen Hunde und im Allgemeinen auch nicht gegen ihre Besitzer. Üblicherweise würde ich mich jedoch auch nicht explizit dazu berufen fühlen, für eben jene in die Bresche zu springen – die können das eigentlich auch ganz gut selber, denke ich.

In der gestrigen Ausgabe von «heute» allerdings sind doch Dinge zu lesen, die selbst mir als fast gänzlich unbeteiligter Person ein wenig verdreht im Magen liegen. Von einem «absoluten Kampfhund-Verbot» ist da die Rede. Doch wie definiert man eigentlich so einen Kamfhund? Die zuständige Nationalrats-Kommission weiss das scheinbar auch noch nicht so recht. Um auf den tragischen Fall von Oberglatt (ZH) zu reagieren und die aufgebrachten Gemüter sowie die Boulevard-Presse zu beruhigen, hat man nun erst einmal ein Verbot für die Haltung von Pitbulls ausgesprochen. Auf die Frage, welche weiteren Rassen von der Einstufung als «gefährliche Hunde» betroffen sind und verboten werden sollen, antwortet Heiner Studer, Präsident der Subkommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur: «Das wird von Fall zu Fall entschieden.» Ich weiss nicht, wie es Euch geht, doch: Wie soll ich das bitte verstehen? Ich möchte den Verantwortlichen nun hier wirklich nicht öffentlich Willkür unterstellen… aber wer kann mir bitte schlüssig erklären, was damit nun gemeint ist? Und ist das überhaupt ein realistischer Ansatz? Sind die «zu verbietenden» Eigenschaften wirklich rasseabhängig? Werden sie den Hunden «angezüchtet», wie immer wieder gerne in die hitzige Diskussionsrunde geworfen wird? Und wenn ja: Wäre denn nicht das der Ort, anzusetzen – nämlich in den einschlägigen Züchter-, Händler- und Kundenkreisen? Ich habe wirklich keine Ahnung davon und bitte um Aufklärung, falls dies jemandem an dieser Stelle möglich sein sollte. Für mich wirkt das immer noch ein wenig so, als ob man von zwei blonden Bankräubern darauf schliessen würde, dass alle Blonden dieser Welt eine latente Gefahr für jegliche Geldinstitute darstellen.

Nun gut, aber das war noch nicht alles: «Das neue Gesetz verbessert auch den Opferschutz. Halter gefährlicher Hunde müssen immer zahlen, wenn ihre Hunde angreifen». Da wir ja nun scheinbar nicht wissen, welche Hunde genau in naher und ferner Zukunft als «gefährlich» eingestuft werden (und aufgrund welcher Kriterien dies festgelegt werden soll), können wir an dieser Stelle getrost einmal vom Hund an sich ausgehen. Hierzu eine kleine Geschichte aus meiner lebhaften Erinnerung: Ein Restaurant, am einen Nebentisch eine junge Mutter mit einer ca. dreijährigen Tochter, ein aufgewecktes kleines Mädchen, das freudig und ganz ohne Scheu den gesamten Raum erkundet. Kein Problem soweit, niemand stört sich daran – es gibt auch keinen Grund dazu. An einem weiteren Nebentisch an der Wand sitzt ein junger Mann, er hat einen mittelgrossen Hund dabei. Das Tier liegt ruhig unter dem Tisch. Ihr wisst, was jetzt passiert: Kinder lieben Tiere, und sie haben in der Regel ein grosses Vertrauen, dass diese ihnen wohl gesinnt sind. Als die Kleine sich offensiv und ohne zu zögern dem Hund unter dem Tisch nähert, hält der Besitzer sie zurück. Der Effekt hält ungefähr zwei Minuten hin, dann wiederholt sich die Szene. Die Mutter schaut wortlos zu. Der junge Mann macht auch sie darauf aufmerksam, dass der Hund schlechte Erfahrungen mit kleinen Kindern gemacht hat und vielleicht agressiv reagieren könnte, falls er sich bedroht fühlt. Die Mutter reagiert mit keiner Geste, mit keinem Wort, währenddem das Mädchen einfach nicht versteht, warum der böse Mann sie nicht mit dem auserwählten Kuscheltier spielen lässt und es immer wieder versucht, bis ein anderer Reiz endlich ihre Aufmerksamkeit absorbiert. Nein, es ist nichts passiert. Und ich gehöre auch nicht zu jenen, die finden, Eltern sollten überbeschützend sein und ihre Kinder an der Hand über jede noch so kleine Türschwelle führen, damit sie sich ja keinen Zeh stossen können. Trotzdem: Wer ist nun verantwortlich, wenn es dem Hund schlussendlich zu bunt wird und er zubeisst…??

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