Alltägliches/Aufgelesen/Klimbim

Warum in die Ferne schweifen?


Merke: Erst Nachrichten lesen/hören/wasauchimmer, dann schreiben. Meistens trifft das auf mich ja zu – gestern leider nicht. Nach einem in meiner Umgebung ruhigen und total langweiligen 1. Mai verwies ich jene, «die sich Ausschreitungen und Kravalle zurück wünschen», auf ein Online-Game, um virtuell den Berliner Mariannenplatz zu stürmen. Doch nein, so weit weg muss es gar nicht sein – in 58 Minuten ist man doch (wenigstens als Stadtberner) mit der SBB mitten drin im Geschehen. Dazu gibt es nach der heutigen, frühmorgendlichen Aufklärung durch meinen Radiowecker und die heutige NZZ zwei Dinge zu sagen:

– Nicht etwa, dass ich der Meinung wäre, Tumultanzettler und nur allzu willige Mitläufer wie jene gestern in Zürich wären am Ende den Menschen vorzuziehen, denen ich gestern versteckt ein wenig mangelnde Konsequenz im Einstehen für die Sache unterstellte.
– Ich warte immer noch auf jemanden, der mir erklärt, inwiefern Strassenschlachten und das Demolieren von fremdem Privateigentum genau zur Rettung der Welt, der Wale, der Wälder oder alternativ und dem Anlass angemessen zur Verbesserung der Arbeitersituation beiträgt. Natürlich weiss ich selber, dass diese Frage vollkommen überflüssig ist, weil es um ganz andere Dinge geht: Langeweile, Perspektivenlosigkeit, Frustration, Vernachlässigung. Dennoch höre ich immer noch Stimmen, die darauf bestehen, dass solche Dinge doch nur «für die gute Sache» geschehen und vor allem – ganz wichtig – gegen all die anderen. Namentlich natürlich gegen die Bösen dieser Welt (diese Rolle kann mit verschiedenen Personengruppen besetzt sein, oft umfasst sie auch einfach alle, die anderer Meinung sind).

Allerdings will relationeering.de jetzt herausgefunden haben, wer die wahren Idealisten auf der Welt sind: die Blogger sind’s, diese Unschuldslämmer. Die «Studie» will herausgefunden haben, dass es unter Bloggern nur so wimmelt von unrealistischen Weltverbesserern. Man möge mir diese etwas ironische Auszeichnung des Wortes «Studie» verzeihen, doch für mich ist die Sache dann doch eher eine Zahlenspielerei.

relationeering.de betreibt (neben einem Blog) die Seite egoload.de, einen Schnellbleiche-Psychotest in vier Schritten. Mag das Verfahren sich auch auf C.G. Jung berufen, fällt es mir doch schwer zu glauben, dass sich damit mehr als eine Grobtypisierung des Publikums ableiten lässt – eines Publikums im Übrigen, das grundsätzlich schon verhältnismässig web-affin sein muss, um überhaupt auf die Seite zu gelangen. Somit dürfte sich die Statistik in der Sache zumindest zu einem guten Teil erledigt haben, es sei denn natürlich, ich habe überlesen, auf welcher Grundlage die Daten als relevant verstanden werden. Wer mehr weiss als ich, ist herzlich eingeladen, mich eines besseren zu belehren.

Wen es übrigens interessiert: Ich bin der Typ «sensibler Macher», jawohl. Das heisst ich bin: «introvertiert, praktisch, gefühlsbetont, spontan, sensibel, harmoniebedürftig, zurückhaltend, sanft, gutmütig, unabhängig, einfühlsam, freundlich, verspielt, unbekümmert, sympathisch, locker, ruhig, bescheiden, genussfreudig, loyal, zuvorkommend, mitfühlend, hilfsbereit, optimistisch und empfindlich». Es ist ein wenig wie mit Horoskopen – was da nicht steht, ist: «zurückhaltend, kontrollsüchtig, besitzergreifend, konfliktscheu, sentimental, masslos, anfällig für ein chronisches Helfersyndrom und eine Heulsuse». Hach, hätte ich das alles nur vor ein paar Tagen schon alles gewusst, als ich meine Autoren-Seite geschrieben habe, ja ja…!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s