Alltägliches/Aufgelesen

Von Abfall und anderen Altlasten.


Wir haben – seit heute – ein neues Abfallregelement hier bei uns in Bern, juhu! Fortan werden wir – je nach Grösseneinheit unserer Hinterlassenschaften – 10 bis 15% mehr für die Entsorgung unseres «Ghüders» bezahlen. Während Links und Rechts sich wie üblich medial und persönlich über Recht oder Unrecht, Wahrheit oder Lüge streiten, habe ich mich entschlossen, auf die allgemeine Aufregung zu verzichten. Überhaupt kann ich von Glück sagen, dass ich davon am Ende noch etwas mitbekommen habe zum heutigen Stichtag (und überhaupt). Einzig der Scapa-Cartoon auf der letzten Seite des von mir oft verschmähten BernerBär überbrachte mir die grosse Neuigkeit. Und im Hinblick darauf komme ich dann doch ins Grübeln: Ständig werde ich auf allen Informationskanälen – ganz besonders in meinem eigentlich werbefreien Briefkasten – informiert über Dinge, die mich nichts angehen, geschweige denn mich interessieren. Nun haben wir einmal etwas mitzuteilen, das wirklich jeden betrifft, der in dieser Stadt wohnt, angeblich wirft ja jeder einzelne von uns sträflicherweise immer mehr Zeug weg und macht damit neue Gebühren notwendig sowie neue Ghüderwagen, die durch eine Vielzahl von schmaleren Strassen gar nicht mehr durchpassen. Und von den zu erwartenden, dennoch auf Dauer nicht unbeträchtlichen Mehreinnahmen können wir keinen einmaligen und vernachlässigbaren Betrag für einen einfarbig kopierten Fötzel abzweigen, damit jene Menschen, die immerhin an der Urne mehrheitlich ein Ja deponiert haben, halbwegs informiert sind. Komme mir jetzt keiner hanebüchen mit der Einsparung von Abfallentsorgungskosten für den ach so gebeutelten Bürger: Die Papiersammlung ist tatsächlich auch in der Stadt Bern immer noch kostenfrei (wie kommt’s?), und dem städtischen Druckgewerbe hätte ein Auftrag auch nicht geschadet. Schliesslich macht Kleinvieh auch Mist – das ist doch auch unseren geschätzten Stadtvätern nicht ganz unbekannt, so dünkt es mir dann und wann.

Abgesehen davon war heute natürlich der 1. Mai, Tag der Arbeit. Ironischerweise wird man als Teil der auch heute arbeitenden Bevölkerung von sehr vielen Leuten heimgesucht, die eben genau das nicht tun, sich sozusagen nicht ans Tagesmotto halten und einen infolgedessen für allerlei Aktivitäten gewinnen möchten. Manche engagieren sich auch ein wenig für den ursprünglichen Zweck des Tages, nehmen vielleicht am Umzug teil und setzen sich dann zu einem gemütlichen Bier aufs nächste Terrässli. Es ist ein wenig wie mit dem einen oder anderen etwas undefinierten (Feier-?)Tag, der sich in die heutige Zeit gerettet hat: Macht es noch Sinn, ihn zu begehen? Oder bin ich einfach in der falschen Zielgruppe, um das zu begreifen – zu elitär und versnobt? Ja nun, wie auch immer. Wer am 1. Mai nostalgisch wird und sich Ausschreitungen und Krawalle zurück wünscht, dem sei das Online-Game der Berliner Kommunikationsagentur extrajetzt ans Herz gelegt: In Gestalt eines sympathischen kleinen Punks muss der Mariannenplatz gestürmt werden. Dabei werden fleissig Punkte gesammelt – die sind allerdings hinfällig, wenn sich der kleine Punk dummerweise verhaften lässt. Viel Spass…!

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