Archiv für Oktober, 2007

Das Wort zum Tage.

Oktober 30, 2007

Grausamkeit ist (zum Beispiel), wenn der Radiowecker morgens schon gleich als erstes mit Enrique Iglesias losdudelt.

Das musste wirklich mal gesagt sein. Zeit reichte nicht für Meldungen aus Brüssel letzte Woche, wird nachgeholt, sobald der heutige Aufwachschock einigermassen überwunden ist.

Was Neues?

Oktober 21, 2007

Nix Neues, nein. War krank und schlecht gelaunt letzte Woche, ausserdem bin ich urlaubsreif und genervt, weil vor Ende Jahr eben jener irgendwie so gar nicht in Sicht ist. Morgen früh geht’s auf Geschäftsreise für eine Woche… Macbook kommt mit, aber W-LAN gibt’s nur zu horrenden Preisen in Brüssel (oder jedenfalls im Hotel - bei 10 Euro die Stunde kehrt man doch gleich ganz reumütig zum sonst geschmähten Swisscom-Hotspot zurück). Überhaupt scheint die Europastadt durchaus dazu angetan zu sein, einen bis aufs letzte Hemd auszuziehen. Der nächste, der mir was von überhöhten Preisen in der Schweiz vorjammert, wird erst nach Brüssel und anschliessend gleich noch nach London evakuiert. Danach sollte das Thema wohl erledigt sein.

Im Hinblick auf die Gebührenlage jedenfalls wird ein Internetzugang wohl ein mit Mass genossenes Vergnügen sein, aber voraussichtlich werde ich auch gar nicht besonders viel freie Zeit haben. Vielleicht gibt’s dennoch das eine oder andere Foto oder einen Bericht nächste Woche, wir werden sehen… Ansonsten macht’s schon mal gut und bis bald.

Sieh’s positiv.

Oktober 11, 2007

«Gewiss soll man die Faulheit nicht loben.
Aber doch bedenken, dass aus Faulheit
wahrscheinlich weniger Grossartiges nicht
getan, als immerhin doch manches Dumme
unterlassen wurde.
»

Leider ist mir der Urheber dieses Zitats nicht bekannt. Ich entnahm es der Anzeige eines Cigarrenherstellers in einem Schweizer Wochenmagazin. Aber wahr ist es doch. Immerhin bewahrt mich unter anderem die pure Faulheit davor, hier nur aus Pflichtgefühl einen komplett überflüssigen Kommentar zu veröffentlichen. Zu den, äh, durchschlagendenPromo-Aktivitäten von MusicStar-Mumie Piero Esteriore* für seine neue Single zum Beispiel, oder am Ende sogar zu diesem albernen, würdelosen Schmierentheater um die allzeit unsägliche Eva Herman und das ach so tiefsinnige Gutmenschenschlitzohr J.B. Kerner. Populistischer Unsinn, das. Recht gut gefallen hat mir nichtsdestotrotz dies hier von Ingo Mocek. Man nimmt halt, was man bekommt.

* Herr E. beachte bitte an dieser Stelle, dass die Autorin in einem Dachgeschoss wohnhaft ist. Etwaige Kondolenz- oder andere Besuche bedingen die Verwendung der Treppe oder des Aufzugs, Fahrzeuge sind an einer geeigneten Stelle ausserhalb des Hauses abzustellen. Herzlichen Dank.

Jetzt ist er da…

Oktober 8, 2007

…der Herbst. Das untrügliche Zeichen dafür ist die erste Kastanie. Sie hat etwas auf sich warten lassen dieses Jahr (obwohl ja eigentlich schon den ganzen Sommer über ein wenig Herbst war, wenn Ihr mich fragt…). Aber am Samstag tauchte sie plötzlich vor meinen Füssen auf. Jetzt heisst es: gut aufbewahren. Die erste Kastanie des Jahres soll ja Glück bringen, wenn man sie den Winter über immer mit sich trägt. theobromina hat die Geschichte für sich und ihren Winter-Gemütszustand etwas abgewandelt - auch keine schlechte Idee.

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Frage des Tages #1

Oktober 6, 2007

Eine grosse Kundgebung unserer Lieblings-Regierungspartei auf dem Bundesplatz war angesagt heute. Nun kann man davon ja halten, was man will; ich gebe zu, auch mir wird beim Anblick (und vor allem beim Anhören) einer Versammlung dieser Zeitgenossen immer mal wieder einigermassen blümerant zu Mute. Was ich dennoch nicht verstehe ist, und hier kommen wir zur im Titel angekündigten Frage:

Warum gibt es immer noch Menschen, die glauben, blinde Zerstörungswut wäre das Mittel der Wahl, seine Ansichten kund zu tun?*

Doch damit nicht genug: Wieso wollen manche Zeitgenossen einfach nicht begreifen, dass sie damit darüber hinaus nur das genaue Gegenteil erreichen, nämlich die Sympathie der Unentschlossenen und Uninformierten mit den augenscheinlichen «Opfern»?!

Erklär’s mir bitte einer - mir jedenfalls fehlt wirklich jegliches Verständnis für ein solch unglaubliches Mass an Unvermögen und Dummheit.

* Der Vollständigkeit halber sei hier ausdrücklich erwähnt, dass die eigentliche Gegendemonstration bis zum Abend friedlich verlief. 3000 Menschen machten dort von ihrem Recht zur freien Meinungsäusserung Gebrauch und werden fortan – einmal mehr – mit jenen in einem Atemzug genannt werden, die beispielsweise mutmassliche anreisende SVP-Parteiangehörige an verschiedenen Autobahnausfahrten ausbremsten, deren Autos mit anschliessend mit Nägeln und Glassscherben bewarfen, Verpflegungsstände auf dem Bundesplatz niederrissen (mit oder ohne das darin arbeitende Personal) und die zugehörigen Fahrzeuge in Brand steckten, um nur die augenscheinlichsten Ausfälligkeiten zu nennen. Sollte irgendeiner von Euch antiautoritär erzogenen Kindergärtlern dies lesen: Ihr solltet Euch was schämen!

Wer klopft denn da?

Oktober 5, 2007

Der Specht (lat. picidae)! Die beiden Künstler Christoph Wachter aus Berlin und Matthias Jud aus Zürich haben sich mit Ihrem Projekt picidae einen Weg überlegt, die Zensur im Internet – am Beispiel des Golden Shield, der grossen chinesischen Firewall – zu umgehen.

Ich als technisch kaum Bewanderte muss für eine DAU-gerechte Erklärung des Prinzips auf meine eigene Quelle verweisen, und natürlich auf die Website des Projekts. Dort erklären die beiden Entwickler des Prinzips auch, wie sie das Ganze vor Ort in China selbst getestet haben, auf Ihrer Reise ans Ende des Internets.

Was es nun mit dem Specht auf sich hat? Der Projektname bezieht sich auf die sogenannten Mauerspechte, die dazumal die ersten Löcher in die Berliner Mauer hämmerten. Wenn dies doch ein Omen wäre…

Nachtrag: Ist Deine Website in China aufrufbar?

Free Burma!

Oktober 4, 2007

Heute, am 4. Oktober 2007, werden weltweit Posts und Texte veröffentlicht, um Solitarität für das Volk in Burma zu demonstrieren (Teilnehmerliste). Es versteht sich von selbst, dass die Missachtung der Menschenrechte überall auf der Welt ein Verbrechen darstellt (ich äusserte mich bereits dazu).
Dies hier und die untenstehende Erklärung sind Worte. Viele von Euch möchten lieber Taten sehen. Ich brauche hoffentlich nicht zu erklären, dass das eine das andere nie ausschliessen sollte. Folgendes sei Euch dann also beispielsweise ans Herz gelegt:

- Nutzt Eure Stimme I: ko-htike erklärt in seinem Eintrag vom 1. Oktober, wie die burmesischen Mönche quasi zum Hungerstreik gezwungen werden (Betreff: «Please Help Monks!» – tut mir Leid, Ihr müsst ein wenig scrollen). Meldet Euch beim IKRK und erinnert es an seine Verantwortung.

- Nutzt Eure Stimme II: Urgent Actions (Sektion CH / Sektion D) von Amnesty – Briefe schreiben gegen Menschenrechtsverstösse. In Burma oder wo Ihr wollt. Es ist Arbeit und kostet Porto. Aber es funktioniert.

- Spendet, wenn Ihr Euch der Organisation sicher seid. Das Burma Projekt zum Beispiel hilft vor Ort, Helfen ohne Grenzen unterstützt unter anderem burmesische Flüchtlinge und terre des hommes hilft hier wie auch an vielen anderen Orten auf der Welt – the choice is up to you.

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Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Artikel 1 Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.

Artikel 2 Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebietes, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist.

[…]

Diese Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet, und gilt seither als ausdrückliches Bekenntnis zu den Menschenrechten.

Dieses Bekenntnis ist in einer globalisierten Welt wichtiger denn je. Deswegen dürfen wir nicht wegsehen, wenn in einem Land wie Burma friedliche Demonstranten und buddhistische Mönche rücksichtslos getötet oder verhaftet werden.

Die burmesische Bevölkerung wird seit über 45 Jahren von einem diktatorischen Militärregime unterdrückt. Die legale Opposition ist de facto ausgeschaltet, Medien staatlich kontrolliert und die Menschen - als Zwangsarbeiter missbraucht - leben am Existenzminimum. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Mönche ihren Protest gegen die Benzinpreiserhöhungen vor wenigen Wochen zum Ausdruck bringen wollten.

Obwohl das Militär mit allen Mitteln versucht, jeglichen Kontakt von und in das Ausland zu unterbinden, drangen Belege seiner Grausamkeiten an die internationale Öffentlichkeit. Trotz der Gefahr, verhaftet und verschleppt zu werden, riskierten mutige Burmesen ihr Leben, um die Welt über die grausamen Ereignisse in ihrem Land zu informieren. Doch bislang verhindern wirtschaftliche Interessen einzelner Mitgliedsstaaten die Verurteilung der Gewalt und der Unterdrückung seitens der Vereinten Nationen.

Wir wollen mit dieser internationalen Aktion ein Zeichen setzen!
Wir verachten die Gewalt und den Terror in Burma.
Wir setzen uns ein für die, die aufgrund ihrer Meinung unterdrückt werden und wir solidarisieren uns mit den Menschen, die für ihr Recht demonstrieren.
Wir fordern die Vereinten Nationen auf, die Gewalt zu verurteilen. Wir fordern Freiheit und Frieden für Burma.

Früher war alles besser.

Oktober 3, 2007

Vor der Herrschaft dieser unsäglichen Telefonkarten nämlich, hier in der Schweiz in radebrechendem Neudeutsch Taxcards genannt (hä? Steuern?). Doch nun ist die Welt – Handyverbreitung sei Dank, welch Ironie – wieder in Ordnung:

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Der Zahn der Zeit bleibt aber doch nicht ganz unbemerkt: Immerhin kann man jetzt auch mit Euros münztelefonieren… – die gab’s damals ja noch gar nicht.

Ohne Worte.

Oktober 2, 2007

Oder ein kleiner Nachtrag zu gestern. Heute abend im Radio gerade noch die letzten Worte eines Telefoninterviews gehört – und im Anschluss daran den Sprecher:

«Soviel vom Korrespondenten der Neuen Zürcher Zeitung in Burma. Zu seiner Sicherheit verzichten wir darauf, seinen Namen zu nennen.»

Nun, doch nicht ganz ohne Worte:
Höre ich etwa viel zu wenig Nachrichten? Habt Ihr das schon mal mitbekommen? Mir ist schon klar, dass Journalisten in Krisengebieten ein gefährliches Leben führen, aber dass man sogar in hiesigen Nachrichten bei Namensnennung ein Sicherheitsrisiko befürchtet, habe ich tatsächlich noch nie gehört bisher. Vielleicht aber lebe ich auch nur hinter dem Mond und habe keine Ahnung von dem, was um mich herum geschieht…?!

«One blogpost for Burma»: Es gibt nichts Gutes…

Oktober 1, 2007

…ausser man tut es. Wir alle wissen: Es gibt zu viele Orte auf dieser Welt, wo ein Menschenleben nicht sehr viel wert ist und das Schicksal ganzer Völker von den Launen und Vorteilen einzelner Machthaber abhängt. Medienberichte zum Thema konzentrieren sich derzeit auf Burma. Anlass sind die Proteste der Bevölkerung gegen die herrschende Militärjunta, angeführt von den Mönchen der buddhistischen Klöster des Landes. Die Militärs bekämpfen den Widerstand, angeblich sind «erste» Todesopfer zu beklagen… offizielle Quellen sprechen von 10 Getöteten seit vergangenem Mittwoch, Beobachter vor Ort schätzen die Zahl auf gegen 200 (Quelle). Internetverbindungen werden blockiert, die Klöster abgeriegelt, eine Vielzahl von friedlich demonstrierenden Menschen verhaftet.

Mir ist wohl bewusst, dass Burma damit nicht alleine steht. Manch einem mag es vielleicht auch ein wenig scheinheilig vorkommen, nun im Zusammenhang mit diesen medienwirksam verpackten Missständen Protest zu üben, wo doch auch so schrecklich viel anderes Unrecht geschieht. Dennoch weise ich hier nachdrücklich auf Robert Basics Initiative Free Burma und den zugehörigen Aktionstag am kommenden Donnerstag, 4. Oktober 2007 hin. Ich werde teilnehmen, aus persönlichen Gründen und im Gedenken an die Menschen in Burma und überall sonst auf der Welt, die nicht die Privilegien geniessen, welcher ich mich täglich erfreuen darf. Wer es mir und vielen anderen gleichtun will, findet hier das wiki mit allen Infos zur Aktion und hier die flickr-Gruppe mit einer Auswahl an Bildern zur Verwendung.

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P. S. «ck-afrika» hat Burma bereist und erzählt bei neon.de davon, ich finde den Text sehr empfehlenswert. In Überein- und Zustimmung mit fdog.org verweise ich ausserdem auf jene, welche entgegen aller Zensur auch jetzt einen Weg finden, direkt aus Burma zu berichten, und zwar hier und hier.